Hallo,
in den letzten Tagen habe ich den Klassiker A Clockwork Orange von Anthony Burgess gelesen.
Bekannt ist natürlich vor allem die Verfilmung von Stanley Kubrick. Das Buch erschien 1962, die Verfilmung 1971. Ich habe den Film vor Ewigkeiten auf deutsch gesehen und habe mich kaum noch dran erinnert. Die konnte mich zwar noch an die Story selbst erinnert, wusste aber nicht mehr genau, wie der Film endet.
Das Buch ist voll von erfundenen Wörtern: Eine Art erfundene Jugendsprache. Als ich anfing zu lesen, war ich mich nicht sicher, ob mich das nicht mit der Zeit nervt. Aber erstaunlicherweise gefiel mir der Schreibstil sehr gut.
Der Film ist sehr, sehr nahe am Buch gehalten. Viele Dialoge sind fast eins zu eins aus dem Buch übernommen und es wurden zwar ein paar Szenen weggelassen und/oder minimal verändert, ansonsten ist aber alles gleich. Bis auf’s Ende. Und das ist eigentlich das interessanteste: Das Ende im Film und ich Buch sind in sofern sehr unterschiedlich, als dass der Film früher endet.
Sowohl das Buch als auch der Film erzählen die Geschichte von Alex, der in einer dystopischen Zukunftswelt mit seinen Kumpanen durch die Nachbarschaft zieht und wahllos Leute verprügelt, überfällt und vergewaltigt. Einfach weil’s ihnen Spaß macht und keiner sie stoppt. Vor allem im Buch wird deutlich, dass Alex sehr wohl klar ist, was er da macht, er sich aber bewusst entscheidet unmoralisch zu handeln.
Letztendlich landet er natürlich im Gefängnis. Er wird wegen Mord zu 14 Jahren verurteilt. Nach zwei Jahren hinter Gittern erfährt er dann von einer neuen Technik, die einen ‘heilt’, so dass man praktisch sofort entlassen wird. Also meldet er sich freiwillig für die experimentelle Therapie.
In der Therapie werden im Filmclips von Gewalttaten gezeigt und es wird gleichzeitig dafür gesorgt, dass ihm übel wird. So assoziiert er Gewalt mit einem Gefühl körperlichen Unwohlseins und sein Körper fängt an die beiden Sachen miteinander zu assoziieren, so dass ihm schlecht wird, sobald er Gewalt sieht oder gewalttätige Gedanken hat. Wir Psychologen nennen das Konditionierung.
So wird er geheilt und wieder in die Welt entlassen wo er schon bald zusammengeschlagen irgendwo liegen gelassen wird. Er klopft an einer Haustür und bittet um Hilfe und ihm wird geholfen. Zufälligerweise ist der Mann, der ihm hilft, ein Opfer von Alex und ein politischer Aktivist. Er erkennt Alex vorerst nicht, weil Alex damals eine Maske trug. Der Mann will Alex benutzen um zu zeigen, wie die Regierung Menschen misshandelt und um Alex also politische Waffe noch stärker zu machen, treiben der Mann und seine Freunde Alex zum Selbstmord. Sie bringen ihn dazu aus einem Fenster zu springen.
Alex stirbt allerdings nicht sondern landet im Krankenhaus. Dort wird er von den Regierungsleuten die ihn ursprünglich ‘behandelt’ haben bestens verpflegt und sie sorgen auf diesem Wege dafür die öffentliche Meinung wieder grade zu biegen. Der Film endet damit, dass Alex im Krankenhaus einen Deal mit einem Minister macht und eine gewalttätige/sexuelle Fantasie hat ohne dass im schlecht wird. Der Film endet mit seiner Feststellung, dass er wahrlich wieder ‘geheilt’ ist.
Das Buch geht allerdings noch weiter. Im Buch wird auch noch erzählt, wie Alex dann wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird und einen gut bezahlten Job bekommt. Trotzdem zieht er nachts noch mit einer neuen Crew durch die Gegend und treibt sein Unwesen. Im Buch wird ihm dann einfach irgendwann langweilig und er wundert sich, was er wohl vom Leben will. Nach ein bisschen Grübeln, kommt er dahinter, dass er wohl einfach zu alt für diese Art Leben ist und sich eine Partnerin suchen will mit der er ein Kind haben kann. Dann philosophiert er ein bisschen weiter und kommt zu dem Schluss, dass Kinder und Jugendliche so sind wie Spielzeuge, die man aufzieht und die dann stumpf in eine Richtung laufen, egal ob sie dabei mit Hindernissen kollidieren oder nicht.
Die Moral von der Geschichte im Buch ist also eher, dass man nichts dagegen machen kann, wenn Kinder/Jugendliche zu extremer Gewalt neigen: Man muss sie einfach machen lassen, bis sie selbst dahinter kommen, dass das alles zu nichts führt. Zumindest habe ich das so verstanden.
Der Film scheint eher eine Kritik an korrigierenden Maßnahmen der Behörden zu sein. Alex ist zwar böse, aber auch ein Opfer. Der Film bietet allerdings keine Lösung für das Problem. Der Film schon: abwarten und Tee trinken. Meiner Meinung nach wenig erfolgsversprechend.
Nichtsdestotrotz: Das Buch lohnt sich schon alleine wegen der stilistischen Komponenten und des Erzählstils. Sehr unterhaltsam, wenn auch streckenweise recht brutal.